Viel mehr als nur Diskotheken, elektronische Musik und Party
In den 80er- und frühen 90er-Jahren reisten jedes Wochenende Tausende junger Menschen nach Valencia, um an einem der überraschendsten Kulturphänomene der jüngeren Geschichte Spaniens teilzuhaben.
Verstopfte Straßen, Diskotheken, die über unendlich viele Stunden geöffnet hatten, DJs, die Musikstile präsentierten, die dem spanischen Publikum bis dahin völlig unbekannt waren, extravagante Outfits, kunstvoll gestaltete Flyer, Mixtapes mit aufgenommenen Club-Sessions und eine Generation, die danach lechzte, neue Formen von Spaß und Freiheit auszuprobieren.
Es war die Geburtsstunde dessen, was später als la Ruta del Bakalao (wörtlich: die Kabeljau-Route) bekannt werden sollte.
Für die einen war es eine der kreativsten und innovativsten Musikbewegungen, die es in Spanien je gab. Für die anderen steht diese Ära für Drogen, schwere Verkehrsunfälle und puren Exzess. Die Realität ist jedoch weitaus komplexer. Die Ruta del Bakalao war ein musikalisches, kulturelles und soziales Phänomen, das sich über ein Jahrzehnt lang entwickelte und die elektronische Musik, die Jugendkultur und das Verständnis von Nachtleben in Spanien nachhaltig prägte.
Wo und wann entstand die Ruta del Bakalao?
Die Ruta entstand Ende der 70er- und Anfang der 80er- canis in Valencia und Umgebung. Spanien hatte gerade erst die Franco-Diktatur hinter sich gelassen und befand sich in einem tiefgreifenden politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Wandel.
Eine neue Generation wollte reisen, andere Musik hören, sich anders kleiden und Freiheiten genießen, die jahrzehntelang stark eingeschränkt gewesen waren. Während Madrid seine berühmte künstlerische Revolution namens Movida Madrileña erlebte, entwickelte Valencia seine ganz eigene Dynamik. Doch hier bildeten nicht Rockbands, Bars oder Kunstgalerien das Zentrum des Wandels.
Es waren die Diskotheken. Clubs, die sich vor allem an der Landstraße nach El Saler und in anderen Vororten Valencias befanden, boten plötzlich etwas völlig Neues an.
Die legendären Clubs der Ruta del Bakalao
Einige Locations wurden zu echten Tempeln für mehrere Generationen von Partygängern.
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Barraca: Lange vor der eigentlichen Ruta gegründet, wurde das Barraca zum Epizentrum der musikalischen Innovation in der Region. Carlos Simó, einer seiner bekanntesten DJs, war eine Schlüsselfigur für ein völlig neues Verständnis von Club-Sessions. Im Barraca liefen Songs und Bands, die im kommerziellen spanischen Radio so gut wie keine Chance hatten.
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Chocolate: Während das Barraca für eine offenere und eklektischere Richtung stand, entwickelte das Chocolate eine düsterere Identität. Post-Punk, Gothic Rock, Industrial und experimentelle Klänge prägten hier die Nächte. Seine Ästhetik, die Dekoration und die besondere Atmosphäre machten das Chocolate zu einer der größten Ikonen der Ruta.
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Spook Factory: Ein weiteres wichtiges Musiklabor der valencianischen Szene. Einer seiner einflussreichsten Resident-DJs, Fran Lenaers, gilt als Schlüsselfigur für die Entwicklung der Dance-Music in Spanien. Seine innovativen Mix-Techniken und seine Songauswahl prägten eine ganze Generation von DJs.
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Espiral: Das in L’Alcúdia gelegene Espiral entwickelte sich zu einer der beliebtesten und massivsten Großraumdiskotheken der Ära. In den Jahren seines größten Erfolgs zog es Jugendliche aus allen Teilen des Landes an.
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Puzzle: Das Puzzle stand für die elegantere, hellere und melodischere Seite der Szene. Seine berühmte Terrasse und die stundenlangen Sessions wurden für Tausende Feiernde zum Kult.
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ACTV: Direkt am Strand von Malvarrosa gelegen, wurde das ACTV zum Symbol für die letzte Phase der Ruta. Es war besonders für seine After-Hour-Zeiten berühmt: Die Partys begannen dort meist erst dann, wenn andere Clubs bereits schlossen.
Dank der perfekt aufeinander abgestimmten Öffnungszeiten der verschiedenen Locations konnten die feiernden Jugendlichen von einem Club zum nächsten ziehen und tagelang nonstop durchfeiern. So entstand das Konzept der Ruta (Route).
Die Musik: Der wahre Ursprung des Phänomens
Einer der größten Irrtümer bei der Betrachtung der Geschichte der Ruta del Bakalao ist der Glaube, sie sei um ein einziges Genre der elektronischen Musik herum entstanden. Dem war nicht so.
In den Anfangsjahren suchten die DJs aus Valencia gezielt nach Import-Platten aus London, Berlin, Belgien, Italien und anderen Teilen Europas. In den Clubs liefen extrem unterschiedliche Stilrichtungen:
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New Wave
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Post-Punk
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Synth-Pop
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Electronic Body Music (EBM)
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Industrial
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Gothic Rock
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New Beat
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Acid House
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Techno
Bands wie Depeche Mode, The Cure, Front 242, Nitzer Ebb oder New Order liefen in den DJ-Sets direkt neben europäischen Elektronik-Produktionen, die dem spanischen Publikum völlig unbekannt waren. Die DJs waren wahre Musikarchäologen. Damals gab es weder Spotify noch YouTube oder soziale Medien. Um einen außergewöhnlichen Track zu finden, musste man oft ins Ausland reisen, teure Import-Platten kaufen oder gute Kontakte zu Plattenläden pflegen.
Gute Musik zu besitzen, war damals ein echter Schatz.
Woher kommt der Name „Ruta del Bakalao“?
Über den genauen Ursprung des Begriffs gibt es verschiedene Versionen. Eine der bekanntesten verortet die Entstehung in den Plattenläden und Musikkreisen Valencias in den 80er-Yahren. Das Wort bacalao (Kabeljau) etablierte sich im Slang als Bezeichnung für neue, gute und hochqualitative Importmusik.
Wenn neue Plattenlieferungen aus dem Ausland eintrafen, fragten die DJs im Laden:
„¿Qué hay de bacalao fresco?“ (Was gibt es an frischem Kabeljau?)
Damit erkundigten sie sich nach den neuesten musikalischen Perlen. Mit der Zeit bürgerte sich das Wort bei DJs, Clubgängern und Szenegängern ein. Später wurde das „C“ durch das provokantere „K“ ersetzt – eine Schreibweise, die perfekt zur rebellischen Ästhetik der Underground-Kultur passte.
In den kreativsten Jahren der Bewegung nutzten viele Insider diesen Begriff jedoch gar nicht. Ebenso geläufig war die Bezeichnung Ruta Destroy, die den wilden Roadtrip-Charakter der Wochenenden beschrieb. Der Name Ruta del Bakalao wurde erst Anfang der 90er-Jahre durch die Massenmedien populär, als diese begannen, groß über das Phänomen zu berichten.
Die DJs, die die Ruta prägten
Lange bevor DJs zu internationalen Superstars wurden, die Stadien und Festivals füllten, hatte die valencianische Szene den DJ bereits zur zentralen Figur der Nacht gemacht. Zu den wichtigsten Namen dieser Ära gehören unter anderem Carlos Simó, Fran Lenaers, José Conca, Toni Vidal, Kike Jaén und Juan Santamaría.
Jeder Club hatte seine eigene musikalische Handschrift. Die Jugendlichen erkannten den Stil einer Diskothek sofort an der Musikerauswahl des jeweiligen Resident-DJs. Doch kein Künstler dieser Epoche erreichte eine so enorme Popularität wie Chimo Bayo.
Chimo Bayo: Die Pop-Ikone der Ruta del Bakalao
Chimo Bayo ist die wohl bekannteste Symbolfigur, die weltweit mit diesem Phänomen assoziiert wird. Als DJ, Produzent, Sänger und Showman erschuf er ein absolut einzigartiges Image: extravagante Outfits, leuchtende Brillen, hochenergetische Bewegungen und markante Ausrufe, die zu Hymnen einer ganzen Generation wurden.
Im Jahr 1991 veröffentlichte er die Single Así me gusta a mí. Der Song enthielt Phrasen, die fest in die spanische Popkultur eingingen:
„¡Esta sí, esta no!“ (Die ja, die nein!)
„¡Hu-ha!“
Der Erfolg war gigantisch. Der Track verkaufte sich über eine Million Mal, stürmte die Charts in zahlreichen Ländern und machte Chimo Bayo zum weltweiten Star. Seine Popularität reichte bis nach Japan, wo er vor Zehntausenden Menschen auftrat. Chimo Bayo wurde zum Gesicht einer Kultur, die sich zuvor über zehn Jahre lang im Verborgenen entwickelt hatte. Paradoxerweise fiel sein weltweiter Erfolg genau mit der Phase zusammen, in der sich die Ruta unwiderruflich zu verändern begann.
Vom Underground-Phänomen zur Massenbewegung
In den 80er-Jahren war die Ruta vor allem eine alternative Underground-Szene. Anfang der 90er-Jahre änderte sich jedoch alles. Der Ruf der Clubs in Valencia verbreitete sich in ganz Spanien. Jedes Wochenende strömten Busse und Autokolonnen aus Madrid, Katalonien, Murcia, Aragonien und anderen Regionen herbei.
Tausende junger Menschen bevölkerten die Landstraßen rund um Valencia. Die Diskotheken vergrößerten ihre Kapazitäten, die Partys wurden immer länger und die Musik entwickelte sich hin zu schnelleren, härteren Klängen. Zudem gewannen Drogenkonsum und -handel zunehmend an Präsenz.
Die Ruta war zu einem unkontrollierbaren Massenphänomen geworden.
Drogen und Wochenenden, die mehrere Tage dauerten
Über die Ruta del Bakalao zu sprechen, ohne die Drogen zu erwähnen, würde ein unvollständiges Bild der Geschichte zeichnen. Der Konsum von Cannabis, Kokain, Amphetaminen und synthetischen Drogen wie Ecstasy begleitete das Phänomen in verschiedenen Phasen.
Manche Jugendliche blieben extrem lange wach und feierten von Freitag bis Sonntag, teils sogar bis Montag, indem sie von Club zu Club zogen. Der Substanzkonsum ermöglichte es, die körperlichen Grenzen künstlich zu verschieben, hatte jedoch verheerende Folgen: Abhängigkeiten, Überdosierungen, psychische Probleme und persönliche Tragödien wurden zur Schattenseite der Ruta.
Zudem entstand rund um die Clubs ein florierender illegaler Drogenmarkt. Der Drogenhandel trug massiv dazu bei, dass die einstige Aufbruchstimmung kippte und das Image der Bewegung in der Öffentlichkeit nachhaltig beschädigt wurde.
Die Straßen: Das tragischste Kapitel der Ruta
Die Kombination war brandgefährlich: Tausende Jugendliche, ständige Autofahrten von Club zu Club, Schlafmangel, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Straßen, die damals weit weniger sicherheitsoptimiert waren als heute. Verkehrsunfälle wurden zum dramatischsten Problem der Ruta del Bakalao.
Zahlreiche junge Menschen verloren auf den Straßen Valencias ihr Leben, weil sie nach schlaflosen Nächten am Steuer einschliefen oder unter dem Einfluss von Substanzen standen. Die besorgten Familien protestierten und das Problem erreichte schließlich die nationale Politik. Das Bild von rasenden Autokolonnen zwischen den Clubs brannte sich tief in das kollektive Gedächtnis der Spanier ein.
Das Fernsehen entdeckt die Ruta del Bakalao
Im Jahr 1993 zeigte die Fernsehreportage Hasta que el cuerpo aguante (Bis der Körper schlappmacht) Millionen von Zuschauern, wie Jugendliche das ganze Wochenende in den valencianischen Clubs verbrachten. Die Kameras dokumentierten Drogenkonsum, völlig erschöpfte Feiernde, gefährliches Fahrverhalten und exzessive Partynächte. Die gesellschaftliche Schockwelle war enorm.
Für viele spanische Familien war es das erste Mal, dass sie überhaupt von der Existenz dieses Phänomens erfuhren. Von diesem Moment an wurde die Ruta in den Medien fast ausschließlich mit drei Begriffen assoziiert: Drogen, Unfälle und Kontrollverlust.
Der Druck der Polizei wuchs spürbar, Verkehrskontrollen wurden zur Routine und die Behörden schränkten die Öffnungszeiten und Aktivitäten der Diskotheken drastisch ein. Das Image der Ruta war endgültig zerstört.
Warum endete die Ruta del Bakalao?
Mitte der 90er-Jahre fand die Ruta ihr Ende. Es gab nicht den einen Grund, sondern es war das Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
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Extreme Kommerzialisierung und Überreizung des Phänomens.
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Verlust der ursprünglichen musikalischen Kreativität.
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Massive Zunahme von Drogenkonsum und -handel.
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Viele tödliche Verkehrsunfälle.
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Harter Druck von Polizei und Behörden.
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Strenge Regulierung der Sperrzeiten.
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Breite gesellschaftliche Ablehnung.
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Verändertes Freizeitverhalten der nachfolgenden Generation.
Die einstige Underground-Szene, die aus der Liebe zur Musik entstanden war, entwickelte sich zu einer kommerziellen Industrie, die sich am Ende selbst erstickte.
Die großen Ikonen der Ruta del Bakalao
Die Ruta schuf eine eigene, unverkennbare Ästhetik:
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Autos mit gigantischen, dröhnenden Musikanlagen auf den Parkplätzen.
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Sonnenbrillen, die selbst mitten in der Nacht getragen wurden.
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Weite Hosen und bequeme Sportschuhe (perfekt für stundenlanges Tanzen).
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Kleidung mit den Logos der legendären Clubs.
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Mixtapes mit aufgezeichneten DJ-Sets, die im ganzen Land getauscht wurden.
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Aufwendig gestaltete Flyer und Plakate.
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Imposant erhöhte DJ-Kanzeln.
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Die Parkplätze der Clubs, die als eigene Treffpunkte dienten.
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Und natürlich die Logos von Barraca, Chocolate, Spook, Puzzle oder ACTV.
Heute sind viele dieser Flyer, Plakate, Tickets, Kassetten und Schallplatten begehrte Sammlerstücke.
12 Kuriositäten über die Ruta del Bakalao
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In ihren Anfängen waren die Leidenschaft für Musik und das Entdecken neuer Sounds die treibenden Kräfte.
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Einige DJs flogen extra ins Ausland, nur um Platten zu kaufen, die es in Spanien noch gar nicht gab.
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Das Wort „Bakalao“ bürgerte sich ursprünglich als Slang-Wort für gute, frische Importmusik ein.
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Viele Pioniere der ersten Stunde lehnen den Begriff Ruta del Bakalao ab und bevorzugen Ruta Destroy oder einfach „la Ruta“.
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Die Clubs hatten perfekt abgestimmte Öffnungszeiten, sodass man nahtlos von einer Party zur nächsten wechseln konnte.
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Manche Party-Wochenenden dauerten ohne Unterbrechung weit über 48 Stunden.
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Valencia war das wichtigste Tor, durch das neue europäische Elektronik-Trends (EBM, New Beat, Techno) nach Spanien gelangten.
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Überspielte Kassetten von Club-Sessions machten im ganzen Land die Runde und machten die Musik der valencianischen Szene überall bekannt.
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Chimo Bayo feierte riesige Erfolge im Ausland und trat sogar vor Zehntausenden Menschen in Japan auf.
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Das Grafikdesign der Flyer, Logos und Plakate aus dieser Zeit wird heute in Kunstakademien analysiert und in Museen ausgestellt.
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Tausende junge Menschen aus der nahegelegenen Region Murcia feierten aufgrund der geografischen Nähe regelmäßig auf der Ruta mit.
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Jahrzehnte nach ihrem Ende erlebt das Phänomen ein Revival: Dokumentationen, Bücher, Serien und Ausstellungen arbeiten die Ära auf und würdigen ihr kulturelles Erbe.
Spanisch lernen bedeutet auch, die Kultur des Landes zu verstehen
Wir vom Instituto Hispánico de Murcia sind davon überzeugt, dass Sprachenlernen weit über das reine Pauken von Grammatik und Vokabeln hinausgeht. Unsere Schüler entdecken die Geschichte, die Gesellschaft, die Musik und die Traditionen Spaniens, während sie bei einem Sprachkurs in Murcia ganz in das spanische Leben eintauchen.
Die Auseinandersetzung mit Phänomenen wie der Ruta del Bakalao hilft dabei, den tiefen Wandel zu verstehen, den die spanische Gesellschaft in den 80er- und 90er-Jahren durchlief. Denn je besser man die Kultur eines Landes versteht, desto leichter fällt es, die Sprache zu lernen und eine echte Verbindung zu den Menschen vor Ort aufzubauen.
Zusammenfassend
Die Ruta del Bakalao war eine der bedeutendsten, innovativsten und zugleich umstrittensten Jugendbewegungen in der jüngeren Geschichte Spaniens. Sie entstand aus der Kreativität, der Musik und dem Freiheitsdrang einer Generation auf der Suche nach neuen Wegen. In ihren besten Jahren war Valencia ein einzigartiges kreatives Labor. Doch die unkontrollierte Massenbewegung veränderte das Phänomen grundlegend.
Drogen, schreckliche Verkehrsunfälle und der kommerzielle Exzess überschatteten lange Zeit das reiche künstlerische Erbe. Jahrzehntelang wurde die Ruta fast ausschließlich mit ihren Schattenseiten assoziiert. Heute blickt man differenzierter darauf zurück.
Die Ruta del Bakalao hat ihren festen Platz in der Geschichte der elektronischen Musik, des Grafikdesigns und des gesellschaftlichen Wandels im Spanien der Post-Franco-Ära. Die Ruta zu verstehen, bedeutet, eine Epoche zu verstehen, in der sich Spanien in rasantem Tempo neu erfand. Es war eine Generation auf der Suche nach neuen Klängen und neuen Lebensentwürfen. Einige davon waren genial und kreativ – andere endeten in einer Tragödie.
Und genau diese Mischung aus Freiheit, Musik, Innovation, Exzess und Widersprüchen sorgt dafür, dass die Ruta del Bakalao auch Jahrzehnte nach ihrem Ende eine ungebrochene Faszination ausübt.



