Was bedeuten „tío“, „guiri“ oder „molar“? Ein Wörterbuch der spanischen Jugendsprache

Carmen Hernández 28/08/2026 9 min
Instituto Hispánico de Murcia - Was bedeuten „tío“, „guiri“ oder „molar“? Ein Wörterbuch der spanischen Jugendsprache

Spanisch zu lernen bedeutet viel mehr, als nur Grammatikregeln und Vokabellisten auswendig zu lernen. Wenn du Spanien besuchst oder dich entscheidest, hier zu studieren, wirst du schnell feststellen, dass die Spanier viele informelle Wörter und Ausdrücke verwenden, die normalerweise nicht in Lehrbüchern stehen. Es kann gut sein, dass du Sätze hörst wie „¡Qué guay!“, „Ese tío es muy majo“ oder „Este plan mola mucho“ und dich fragst, was sie eigentlich bedeuten.

Die spanische Jugendsprache ist fest im Alltagsgespräch verankert. Wenn du sie verstehst, hilft dir das dabei, Gespräche, Serien, Filme und sogar die sozialen Medien besser zu verstehen. Außerdem sorgt der richtige Einsatz dieser Ausdrücke dafür, dass dein Spanisch viel natürlicher klingt.

In diesem Artikel findest du ein kleines Wörterbuch mit einigen der häufigsten Wörter und Ausdrücke unter jungen Menschen in Spanien.

Was ist die Jugendsprache?

Die Jugendsprache ist eine Sammlung von Wörtern und Ausdrücken, die hauptsächlich von jungen Menschen in informellen Situationen verwendet werden. Viele davon verändern sich im Laufe der Zeit, während andere schon seit Jahrzehnten Teil des umgangssprachlichen Spanisch sind.

Es ist wichtig zu wissen, dass dieses Vokabular in formellen Kontexten wie Vorstellungsgesprächen, beruflichen Besprechungen oder offiziellen Prüfungen nichts zu suchen hat. In Gesprächen unter Freunden und im täglichen Leben taucht es jedoch ständig auf.

„Tío“ und „tía“: Viel mehr als nur Verwandtschaft

Das ist wahrscheinlich eines der ersten Wörter, die du nach deiner Ankunft in Spanien hören wirst.

Obwohl tío wörtlich „Onkel“ bedeutet (und tía „Tante“), wird es in der Umgangssprache für jede beliebige Person verwendet (vergleichbar mit „Typ“, „Typen“, „Mädel“ oder „Frau“).

Zum Beispiel:

  • „Ese tío vive en mi edificio.“ (Dieser Typ wohnt in meinem Gebäude.)

  • „¿Has visto a esa tía?“ (Hast du diese Frau/dieses Mädel gesehen?)

Es wird auch verwendet, um die Aufmerksamkeit eines Freundes zu wecken (wie „Alter“, „Kumpel“ oder „Digga“).

Beispiele:

  • „¡Tío, tienes que ver esta película!“ (Alter, du musst diesen Film sehen!)

  • „¿Pero qué haces, tía?“ (Was machst du denn da, Alter/Mädel?)

Es hat also nichts mit Verwandtschaft zu tun und wird von jungen Leuten ständig benutzt.

„Guiri“: Der ausländische Tourist

Eines der Wörter, das bei Spanischlernenden die meiste Neugier weckt, ist guiri.

Dieser Begriff bezieht sich im Allgemeinen auf einen ausländischen Touristen – insbesondere aus Nord- oder Mitteleuropa und dem englischsprachigen Raum –, der Spanien besucht. Je nach Kontext kann das Wort neutral, liebevoll oder auch leicht neckend gemeint sein, gilt aber normalerweise nicht als Beleidigung.

Zum Beispiel:

  • „En verano la playa está llena de guiris.“ (Im Sommer ist der Strand voller Touristen.)

  • „Ese restaurante siempre está lleno de guiris.“ (Dieses Restaurant ist immer voller Ausländer.)

Viele internationale Studierende nennen sich selbst mit einer Portion Humor irgendwann „guiris“.

„Molar“: Etwas toll finden / cool sein

Wenn du in Spanien natürlicher klingen willst, ist das Verb molar fast schon Pflicht.

Molar bedeutet, dass einem etwas sehr gut gefällt, man es cool findet oder es interessant wirkt.

Zum Beispiel:

  • „Esa canción mola muchísimo.“ (Dieses Lied ist mega cool / gefällt mir total.)

  • „Tu idea mola.“ (Deine Idee ist cool.)

  • „Este restaurante mola un montón.“ (Dieses Restaurant ist echt genial/der Hammer.)

Es ist eines der am häufigsten verwendeten Wörter im umgangssprachlichen Spanisch und kann Ausdrücke wie gustar (gefallen) ersetzen, hat aber einen viel informelleren und begeistert klingernden Unterton.

„Guay“: Etwas Geniales / Cooles

Ein weiteres unverzichtbares Wort ist guay.

Wenn etwas Spaß macht, schön, interessant oder hervorragend ist, sagen viele Spanier einfach, dass es „guay“ (cool, klasse, super) ist.

Beispiele:

  • „La excursión estuvo muy guay.“ (Der Ausflug war echt cool.)

  • „Tu profesor es muy guay.“ (Dein Lehrer ist sehr cool/nett.)

  • „¡Qué guay!“ (Wie cool! / Klasse!)

Ein einfacher Ausdruck, den du überall hören wirst.

„Vale“: Viel mehr als nur „einverstanden“

Obwohl es nicht ausschließlich zur Jugendsprache gehört, ist vale ein absolutes Muss in Spanien.

Man verwendet es für:

  • Einverstanden / Okay.

  • Alles klar / Passt.

  • Verstanden.

  • Perfekt.

Beispiele:

  • „Nos vemos a las seis.“ (Wir sehen uns um sechs.)

  • Vale.“ (Alles klar / Okay.)

Spanischlernende sind oft überrascht, wie extrem häufig die Spanier dieses Wort im Gespräch benutzen.

„Flipar“: Völlig aus dem Häuschen sein / staunen

Wenn etwas unglaublich oder unerwartet ist, benutzen viele Spanier das Verb flipar (ausrasten, flashen, staunen, nicht klarkommen).

Zum Beispiel:

  • „Vas a flipar cuando lo veas.“ (Du wirst aus allen Wolken fallen, wenn du das siehst / Du wirst staunen.)

  • Flipé con ese concierto.“ (Das Konzert hat mich total geflasht/begeistert.)

  • „Estoy flipando.“ (Ich glaub’s einfach nicht / Ich bin fassungslos.)

Es kann sowohl positive als auch negative Überraschung ausdrücken.

„Currar“: Arbeiten / ackern

Anstatt trabajar (arbeiten) zu sagen, verwenden viele Menschen in informellen Situationen das Verb currar (arbeiten, malochen, buckeln).

Beispiele:

  • „Hoy me toca currar.“ (Heute muss ich arbeiten/malochen.)

  • „¿Dónde curras?“ (Wo arbeitest du / wo schaffst du?)

  • „Estoy currando todo el verano.“ (Ich arbeite den ganzen Sommer über.)

Dieses Wort ist bei Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen beliebt. (Die Arbeit selbst nennt man umgangssprachlich oft el curro).

„Pasta“: Das Geld / die Kohle

Wenn jemand sagt, dass er keine pasta hat, spricht er nicht von italienischen Nudeln.

In Spanien bedeutet pasta schlichtweg Geld (Kohle, Knete, Schotter).

Beispiele:

  • „No tengo pasta para viajar este mes.“ (Ich habe diesen Monat keine Kohle zum Reisen.)

  • „Ahorrar pasta es difícil.“ (Geld zu sparen ist schwer.)

Es gibt auch andere ähnliche Wörter wie pelas (was von den alten Peseten kommt), obwohl man das heute seltener hört.

„Majo“ oder „maja“: Eine nette Person

Wenn ein Spanier sagt, dass jemand muy majo ist, ist das ein echtes Kompliment.

Es bedeutet, dass die Person sympathisch, nett, freundlich oder liebenswert ist.

Beispiele:

  • „Tu professora es muy maja.“ (Deine Lehrerin ist echt nett.)

  • „Los vecinos fueron muy majos con nosotros.“ (Die Nachbarn waren sehr liebenswürdig zu uns.)

Dieses Wort ist besonders im Zentrum und im Norden Spaniens weit verbreitet.

„Rayarse“: Sich zu viele Gedanken machen / sich stressen

Das Verb rayarse (manchmal auch rallarse geschrieben) bedeutet, sich hineinzusteigern, sich unnötig Sorgen zu machen oder ein Problem totzugrübeln („sich einen Kopf machen“, „sich stressen“).

Beispiele:

  • „No te rayes.“ (Mach dir keinen Kopf / Stress dich nicht.)

  • „Me estoy rayando por el examen.“ (Ich mache mir total den Kopf wegen der Prüfung.)

Es ist ein sehr verbreiteter Ausdruck unter Jugendlichen, meist als Ratschlag, sich nicht so viele Gedanken zu machen.

„Finde“: Das Wochenende

Anstatt den vollen Begriff fin de semana zu sagen, kürzen die meisten Menschen es einfach ab und sagen finde (wie im Deutschen „Wochenende“).

Zum Beispiel:

  • „¿Qué haces este finde?“ (Was machst du dieses Wochenende?)

  • „Nos vemos el finde que viene.“ (Wir sehen uns nächstes Wochenende.)

Diese Abkürzung wird sowohl beim Sprechen als auch beim Schreiben auf WhatsApp extrem häufig genutzt.

„Estar de tranqui“

Wenn jemand einen ruhigen, entspannten Plan vorschlägt, sagt er vielleicht:

  • „Hoy estoy de tranqui.“ (Heute mache ich mir einen Ruhigen / heute ist nur Chillout angesagt.)

Dieser Ausdruck bedeutet, dass man sich ausruhen, entspannen oder einfach etwas ganz Unkompliziertes machen möchte.

„Dar palo“

Wenn man zu etwas überhaupt keine Lust hat oder es einen zu viel Überwindung kostet, sagen viele Spanier, dass es da palo (vergleichbar mit „keinen Bock haben“ oder „zu träge sein“).

Beispiele:

  • „Me da palo salir con este calor.“ (Ich habe echt keinen Bock, bei dieser Hitze rauszugehen / Es kostet mich zu viel Überwindung.)

  • „Me da palo estudiar hoy.“ (Heute habe ich null Bock auf Lernen.)

Es entspricht der Aussage, dass einen eine extreme Faulheit (pereza) überkommt.

„Petarlo“: Total abräumen / voll abgehen

Wenn etwas einen riesigen Erfolg hat, sagt man im Spanischen, dass es total abgeht (lo está petando).

Beispiele:

  • „Ese cantante lo está petando.“ (Dieser Sänger geht gerade mega ab / räumt total ab.)

  • „La nueva serie lo está petando en Netflix.“ (Die neue Serie geht auf Netflix gerade durch die Decke.)

Ein extrem häufiger Ausdruck in den sozialen Medien und unter Jugendlichen.

Ist es empfehlenswert, diese Wörter zu benutzen?

Ja, aber in Maßen.

Spanischlernende möchten diese Ausdrücke oft schnell in ihren eigenen Wortschatz einbauen, und das ist auch super. Es ist jedoch wichtig, sie nur in informellen Kontexten zu verwenden und erst dann, wenn man genau gehört hat, wie Muttersprachler sie im Alltag einsetzen.

In Gesprächen mit Freunden oder Mitschülern klingen sie völlig natürlich, während man bei einem Vorstellungsgespräch oder einem geschäftlichen Treffen lieber auf eine formellere Ausdrucksweise zurückgreifen sollte.

Bedenke außerdem, dass sich manche Ausdrücke je nach Region unterscheiden. Spanien besitzt eine enorme sprachliche Vielfalt und es kann gut sein, dass du in Madrid, Sevilla, Valencia, Bilbao oder Barcelona wieder ganz andere Wörter aufschnappst.

Lerne Spanisch so, wie die Spanier es wirklich sprechen

Die Grammatik zu beherrschen ist wichtig, aber das Verständnis für die Umgangssprache ist das, was dir wirklich das Gefühl gibt, dazuzugehören, wenn du in Spanien lebst oder reist.

Echte Gespräche mitzuhören, spanische Serien zu schauen, sich mit Muttersprachlern zu unterhalten oder an einer Spanischschule zu lernen, sind die besten Wege, um sich mit diesem Vokabular vertraut zu machen.

Wenn dir das nächste Mal jemand sagt: Tío, ese plan mola un montón. ¿Te vienes?“ (Alter, der Plan ist mega cool. Kommst du mit?), weißt du genau, was gemeint ist … und antwortest vielleicht sogar mit einem lockeren ¡Vale, qué guay! (Alles klar, wie cool!).

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GESCHRIEBEN VON Carmen Hernández
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Ich heiße Yahya Zarhouni. Ich wurde in Marokko geboren und meine Muttersprachen sind Amazigh und Arabisch. Außerdem spreche ich Französisch, habe Englisch gelernt und bin später nach Russland gereist, wo ich Russisch gelernt und Journalismus studiert habe.

Ich begeistere mich für Sprachen, verschiedene Kulturen der Welt, Reisen und Geschichte. In meiner Freizeit schreibe ich gerne und treibe Sport.

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